Bewegung hilft!

  • Körperliche Aktivität kann Schmerzen lindern und sich auch positiv auf die Stimmung und das körperliche Wohlbefinden im Verlauf der Erkrankung auswirken
  • Besonders Ausdauersportarten sind empfehlenswert bei hämatologischen Erkrankungen
  • Umfang und Art der Bewegung sollten an die individuelle Situation angepasst sein

Früher war man der Meinung, dass sich Patienten bei Schmerzen oder schweren Erkrankungen grundsätzlich schonen sollten. Heute weiß man jedoch, dass Bewegung ein sehr wichtiger begleitender Baustein bei der Behandlung von hämatologischen Erkrankungen sein kann.

Zu viel Ruhe führt zu Folgeerkrankungen – z.B. schwächt sie den gesamten Bewegungsapparat und das Herz-Kreislauf-System. Zwar gilt weiterhin grundsätzlich: Wenn Sie unter neu auftretenden oder zunehmenden Schmerzen leiden, kontaktieren Sie Ihren Arzt. Es gibt heutzutage jedoch eine Vielzahl an Möglichkeiten, Schmerzen erfolgreich zu behandeln, und auch Sie können einiges für sich selbst tun bzw. zu einer erfolgreichen Behandlung beitragen. So wirkt sich körperliche Aktivität grundsätzlich äußerst positiv auf das körperliche Wohlbefinden im Verlauf der Erkrankung aus. Das zeigen mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Studien.1,2

Fasst man die aktuelle Studienlage zusammen, so zeigt sich, dass körperliche Aktivitäten für Menschen mit Krebserkrankungen machbar, sicher und effizient sind. Sowohl Ausdauertraining als auch Krafttraining zeigen positive Auswirkungen auf physiologischer, psychologischer und sozialer Ebene der Patienten und sollten daher die Grundlage eines Bewegungsprogramms in der Rehabilitation bilden.3

Bewegung stärkt den Körper und lindert Schmerzen

Da Bewegung die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung des Körpers verbessert, kann bereits ein wenig Sport z.B. eine chronische Müdigkeit (ein häufiges Problem bei hämatologischen Erkrankungen) lindern. Sport hat noch einen weiteren großen Vorteil: Je besser Ihr Allgemeinzustand ist, desto besser sind Sie in der Lage, Therapien und Nebenwirkungen zu verkraften. Denn Sport und körperliche Aktivität stärken die Muskulatur, verbessern die Atmung und können sogar Blutdruck, Cholesterin und Blutzuckerspiegel senken. Sport hat noch einen heilsamen, nicht zu unterschätzenden Begleiteffekt: Im Gehirn führt körperliche Bewegung zur Ausschüttung von sog. Glückshormonen (Endorphinen). Diese verbessern die Stimmung und haben zudem eine ausgeprägte schmerzlindernde Wirkung. Außerdem sorgen sie für eine Stärkung des Immunsystems und der seelischen Belastbarkeit – kurz gesagt: Bewegung tut gut und ist ein wichtiger Baustein für den Umgang bei hämatologischen Erkrankungen und eine Unterstützung der ärztlichen Behandlung.

Wie viel Bewegung ist gut für mich?

Wie viel körperliche Bewegung empfehlenswert ist, hängt von Ihrer individuellen Ausgangssituation und der Phase Ihrer Behandlung ab. Je nach Ihrem persönlichen Allgemeinzustand und Krankheitsverlauf können am Tag sowohl 15 Minuten Spazierengehen als auch anderthalb Stunden strammes Wandern das richtige Maß sein. Grundsätzlich sind vor allem Ausdauersportarten wie Radfahren oder Nordic Walking empfehlenswert, um den Körper in Form zu halten und dabei zu unterstützen, mit der Krankheit zurechtzukommen. Wenn ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) vorliegt, sollten Sie Sportarten wie Fußball oder Volleyball vermeiden, denn schon bei kleinen Stößen besteht erhöhte Blutungsgefahr. Und weil das Immunsystem aufgrund der Therapie bei Krebserkrankungen oft geschwächt ist, sollten Sie sich keinem erhöhten Infektionsrisiko etwa im Schwimmbad aussetzen. Besprechen Sie Umfang und Art der körperlichen Bewegung am besten mit Ihrem behandelnden Arzt und versuchen Sie gemeinsam, das richtige Maß für Sie zu finden.

Videos und Übungsanleitungen


Unabhängig davon, für was Sie sich entscheiden: Ihre persönliche Freude und Spaß sollten immer im Vordergrund stehen.
Hier finden Sie eine Auswahl an Übungen für Ihren Alltag sowie eine Kurzanleitung der Übungen zum Ausdrucken. Die Videos sind zusammen mit Dr. Freerk Baumann entstanden. Er ist Leiter der AG Onkologische Bewegungsmedizin (gemeinsam mit PD Dr. Thomas Elter) an der Uniklinik Köln.
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1 Rock et al., Nutrition and physical activity guidelines for cancer survivors, CA Cancer J Clin. 2013 May;63(3):215
2 Kushi et al., American Cancer Society Guidelines on nutrition and physical activity for cancer prevention: reducing the risk of cancer with healthy food choices and physical activity, CA Cancer J Clin. 2012 Jan-Feb;62(1):30-67
3 Zopf, E.M., Baumann, F.T., Pfeifer, K., Empfehlungen zur Bewegungstherapie: Körperliche Aktivität und körperliches Training in der Rehabilitation einer Krebserkrankung, Die Rehabilitation, 2013